Für mich gibt es zwei Arten von Müdigkeit.
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, ob es diese Unterscheidung früher für mich auch schon gab. Aber seit ich krank bin, fühlen sich die beiden Arten von Müdigkeit sehr unterschiedlich an.
Da ist zum einen die mentale Müdigkeit.
Sie entsteht, wenn ich einen anstrengenden Tag hinter mir habe. Also das, was ich heute als anstrengend empfinde.
Zum Beispiel einen Tag mit viel sozialer Interaktion. Einen Tag, an dem ich an meinem Blog oder für das Studium geschrieben habe. Oder einen Tag, an dem ich viel gepuzzelt habe.
An solchen Tagen merke ich, dass mein Kopf müde ist. Dass ich keine Kapazitäten mehr habe.
Ich kann mich nicht mehr richtig konzentrieren. Kann nicht mehr genau verfolgen, was mein Partner mir gerade erzählt. Ich schweife gedanklich ab. Aber nicht zu einem anderen Thema, sondern einfach in die Leere.
Mein Kopf hat genug für den Tag.
Oft wird diese Müdigkeit von Kopfschmerzen begleitet. Jetzt im Sommer auch gern von Schwindel.
Sie baut sich langsam auf. Stück für Stück.
Und ich merke, wie mein Kopf allmählich müder wird.
Dann gibt es noch die körperliche Müdigkeit.
Die überkommt mich jeden Tag.
Sie kommt nicht schleichend. Sie ist auf einmal da.
Sofort brennen meine Augen. Es fällt mir schwer, sie offenzuhalten. Vor allem das rechte Auge.
Eigentlich habe ich dann keine andere Wahl, als schlafen zu gehen.
Das Fiese ist jedoch, dass diese Müdigkeit oft nicht mit der mentalen Müdigkeit im Einklang ist.
Gestern zum Beispiel musste ich am Nachmittag schlafen, weil ich tagsüber so müde war. Drei Stunden lang.
Als mich die körperliche Müdigkeit um 22 Uhr erneut überkam, fiel es mir schwer, mich dagegen zu wehren.
Manchmal versuche ich das trotzdem. Vor allem dann, wenn ich merke, dass ich mental noch nicht müde bin.
Warum ich das mache?
Weil sonst genau das passiert, was gestern passiert ist.
Durch den Schlaf am Nachmittag war mein Kopf am Abend nicht müde.
Als ich also im Bett lag, fühlte ich mich körperlich vollkommen erschöpft. Aber meine Gedanken drehten sich im Kreis und wollten einfach nicht aufhören.
Früher, wenn mich meine Gedanken nicht schlafen ließen, konnte ich noch einmal aufstehen und irgendetwas machen.
Heute geht auch das nicht mehr. Mein Körper ist dafür zu erschöpft.
Ich liege also im Bett. Kann mich kaum von einer Seite auf die andere drehen, weil mich selbst das in diesem Zustand körperlich anstrengt.
Aber mein Kopf erzählt mir, wie gern ich jetzt noch das Puzzle fertig machen würde. Oder noch eine Folge meiner Serie schauen möchte. Oder dass ich unbedingt noch den Einkaufszettel für morgen schreiben will.
Solche Abende sind unglaublich anstrengend.
Mein Körper und mein Kopf sind absolut nicht im Einklang. Und egal, was ich machen möchte: Nichts davon funktioniert.
Weder schlafen noch wach bleiben.
Meine Augen schmerzen, wenn ich sie nicht geschlossen halte. Trotzdem fühle ich mich nicht „richtig“ müde. Nicht so, wie ich mich normalerweise nach einem anstrengenden und erschöpfenden Tag fühle.
Die Nacht verbringe ich dann damit, mich von links nach rechts zu wälzen. Ständig aufzuwachen. Und mich zu fragen, warum ich nicht einfach in Ruhe schlafen kann.
Obwohl ich doch den ganzen Tag damit kämpfen muss, nicht einzuschlafen.
Am nächsten Morgen bin ich noch geräderter als ohnehin schon.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich meinen Kopf manchmal zu sehr anstrenge.
Warum ich doch noch ein Stück in meinem Buch weiterlese. Doch noch mit Menschen interagiere. Doch noch das Rätselspiel zu Ende spielen möchte.
Damit mein Kopf am Abend genauso erschöpft ist wie mein Körper.
Damit ich wenigstens die Chance habe, in Ruhe ein- und durchzuschlafen.
