#020 — Dornröschens Freund*innen

An manchen Tagen macht es mich traurig, dass sich meine Krankheit auch auf meine Freund*innen auswirkt.

Ich lehne Einladungen ab, weil ich weiß, dass mir die Geburtstagsparty inklusive An- und Abreise zu viel wird.

Ich kann nicht mehr einfach zum Mädelsabend, weil die An- und Abreise in Verbindung mit vielen Gesprächen und eventuell anwesenden Kindern zu anstrengend ist.

Wenn Freund*innen mich besuchen, kann es passieren, dass ich irgendwann einfach schlafen muss. Und sie sitzen lasse.

Einfach zum Go-Kart-Fahren treffen, spazieren gehen und abends essen gehen?

Dafür fehlt mir die Energie.

Ich muss immer Pausen einplanen. Am besten liegend. Wenn das nicht geht, muss ich absagen.

Ich muss Verabredungen teilweise kurzfristig absagen, weil ich merke, dass ich keine Kraft habe.

Je anstrengender die Tage zuvor waren, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ich noch Energie übrig habe.

Früher hat es mir Energie zurückgegeben, Zeit mit tollen Menschen zu verbringen. Über Gott und die Welt zu philosophieren. Auch bis mitten in die Nacht.

Jetzt kostet mich das alles Energie.

Mental und körperlich.

Das ist scheiße.

Es macht mich wütend. Und traurig.

Während ich hin und her überlege, wie und ob ich an einer Verabredung teilnehmen kann, sitze ich oft zu Hause und habe das Gefühl, nicht mehr gut genug zu sein.

Ich hasse es, dass ich nicht mehr einfach Zeit mit den Menschen verbringen kann, die mir wichtig sind.

Zu Hause ist es noch schlimmer.

An vielen Tagen schaffe ich es nicht, die einfachsten Hausarbeiten zu erledigen. Die Spülmaschine ein- und auszuräumen. Wäsche zu waschen. Dinge zu tun, die eigentlich selbstverständlich wirken.

Sehr oft bleibt das an meinem Partner hängen.

Er muss sich auch überwiegend um den Hund kümmern. Ich bin einfach zu schnell erschöpft.

Das macht mich wütend. Und traurig.

Und natürlich mache ich mir auch Sorgen und Vorwürfe.

Ich frage mich, ob mein Umfeld wirklich Verständnis hat. Und wie weit dieses Verständnis belastbar ist, ohne dass ich irgendwann nur noch als Belastung wahrgenommen werde.

Was ist, wenn sie irgendwann entscheiden, dass ich sie mehr Energie koste, als es wert ist?

Was ist, wenn sie mich irgendwann einfach aufgeben?

Wenn sie selbst keine Kraft mehr haben?

Ich habe ganz großartige Menschen in meinem Umfeld.

Menschen, die sich gegenseitig unterstützen. Die Verständnis haben. Die sich umeinander kümmern. Die nicht gegeneinander aufwiegen.

Aber jede*r hat auch ein eigenes Päckchen zu tragen.

Und irgendwann wird es uns allen doch mal zu viel.

Danke, dass ihr da seid.

Danke, dass ihr zuhört.

Danke, dass ihr so wunderbar seid.

Ich bin unendlich dankbar, euch in meinem Leben zu haben.

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6 Kommentare

  1. „Während ich hin und her überlege, wie und ob ich an einer Verabredung teilnehmen kann, sitze ich oft zu Hause und habe das Gefühl, nicht mehr gut genug zu sein.“

    Du bist gut genug. Du bist sogar „besser“ als vorher, denn du zeigst uns, dass man auf sich aufpassen darf und auch mal sagen kann: es geht gerade nicht.

    Ob du zum geplanten Termin kommst oder es kurzfristig nicht geht – das ändert nichts daran, wie gern ich dich hab. Du kennst das ja vom Kind: da gab es auch Zeiten, in denen einfach nichts planbar war. Man macht trotzdem weiter, so gut es geht.

    Und falls du dir wirklich Sorgen machst, ob wir irgendwann keine Kraft mehr haben: Freundschaft heißt für mich nicht, immer gleich viel geben zu können. Mal trägst du, mal trage ich. Gerade jetzt ist das eben so.

    Ich hab dich lieb. Und ich bin froh, dass du diesen Blog schreibst.

    1. Danke, dass du diesen Kommentar hier geschrieben hast.
      Ich bin wirklich sehr dankbar, dich und euch zu haben.

      Und ich freue mich, dass du den Blog liest. Es bedeutet mir viel zu wissen, dass auch Freund*innen den Blog lesen. Um besser zu verstehen, wie es mir geht.
      Ich hab dich auch lieb. <3

      Und zum Grillen, müsst ihr trotzdem demnächst vorbei kommen!

  2. Auch wenn ich nicht in deiner Situation stecke, verstehe ich deine Gedanken und Sorgen total… Hast du vielleicht direkt eben über diese Sorgen mal mit deinen Freundinnen gesprochen?

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