An manchen Tagen habe ich das Gefühl, nicht „krank genug“ zu sein.
An Tagen, an denen ich nur auf der Couch liege und mich berieseln lasse, frage ich mich manchmal, ob es mir nicht doch gut geht. Ob ich übertreibe. Ob die Symptome nicht so schlimm sind, wie es sich anfühlt.
Ob ich einfach zu schwach bin. Zu wehleidig. Zu viel jammere.
Ob andere viel einfacher damit zurechtkommen würden. Sich nicht so anstellen würden.
An manchen Tagen fühlt es sich leicht an. Ich habe fast den Eindruck, als wäre ich mal nicht müde.
Das hält aber nur so lange an, bis ich irgendetwas erledigen muss. Spülmaschine ausräumen. Wäsche waschen. Post reinholen. Oder mit dem Hund spielen.
Und sofort merke ich, dass ich nicht fit bin.
Obwohl ich weiß, dass ich krank bin, zweifle ich oft an mir selbst. Und daran, ob es mir wirklich „schlecht genug“ geht.
Das Gefühl verstärkt sich oft in Gesprächen mit anderen. Vor allem mit Ärzt*innen. Wenn mir mal wieder gesagt wird, dass doch alles gut ist.
Oder die Tabletten alles regeln. Oder ich einfach nur mehr Sport machen soll. Oder andere in meiner Situation ihren Alltag auch easy schaffen.
Das Gefühl verstärkt sich auch, wenn ich mal eine gute Phase habe. Wenn ich mich eine Zeit lang am Stück auf etwas konzentrieren kann. Wenn ich zum Beispiel ein Buch lese. Oder die Regeln eines neuen Gesellschaftsspiels sofort verstehe. Oder wenn mich die Geräuschkulisse beim Essen mal nicht so sehr stört.
Aber diese Situationen halten nicht lange an.
Schon ein paar Stunden später sitze ich am Tisch mit drei Personen und spiele „Mensch ärgere dich nicht“. Und ich merke, dass mir das Spiel gerade zu komplex ist. Dass ich gar nicht mehr mitbekomme, was überhaupt gerade passiert.
Wer ist dran? Wo stehen meine Figuren?
Mein Gehirn fühlt sich schwer an. Und jeder Gedanke langsam. Alles strengt mich an.
Und trotzdem zweifle ich so oft an mir selbst.
Auch, weil die Gesellschaft mir manchmal einzureden versucht, dass ich einfach nur faul bin. Und alle ja mal müde sind.
