#007 — Ungefragte Ratschläge — und warum sie nicht helfen.

Viele Menschen sind lösungsorientiert. Wollen helfen. Wollen Probleme aus der Welt schaffen.

Wenn ich Menschen erzähle, was meine Symptome sind, bekomme ich immer wieder ungefragte Ratschläge. Diese reichen von „Dann musst du dich halt mal richtig ausschlafen” bis hin zu „Wenn ich du wäre, würde ich mich einfach mit Schlafmitteln vollpumpen und nur noch im Bett bleiben”.

Vermutlich sagen Menschen solche Dinge, weil sie nicht wissen, wie sie sonst reagieren sollen.

Bei mir kommt es aber jedes einzelne Mal so an, als wollten die Menschen meine Symptome kleinreden. Und mir unterstellen, dass ich selbst schuld daran bin. Und nur nicht „richtig” schlafe.

Als ob es einen Schalter gäbe, den ich umlegen könnte, um nicht mehr müde und erschöpft zu sein.

Macht das bitte nicht.

Zum einen helfen mir solche Ratschläge nicht. Egal, wie gut sie gemeint sind. Ich habe wahrscheinlich schon alles ausprobiert, um wieder wacher zu sein, mehr Energie zu haben.

Ich würde alles dafür tun. Egal, wie lächerlich es klingt. Wenn es mir helfen würde, wie eine Fledermaus kopfüber von der Decke hängend zu schlafen: Ich würde es tun!

Wenn ihr in so einer Situation nicht wisst, was ihr sagen sollt, sagt einfach gar nichts. oder sagt, dass es sich ätzend anhört. Oder sagt einfach nur „Scheiße”.

Aber bitte versucht nicht, mir mit Hausmittelchen und Schlafpraktiken von Tante Erna zu helfen, die mit 96 noch fit wie ein Turnschuh war und die Nächte durchgefeiert hat.

Wer nicht in meiner Situation ist, kann nicht wissen, was mir hilft. Ich weiß es ja selbst nicht mal. Und auch die Ärzt*innen wissen es nicht.

Am Ende führen ungefragte Ratschläge egal, wie nett sie gemeint sind nur dazu, dass ich mich wieder unverstanden fühle. Nicht ernst genommen. Und alleine.

Es ist scheiße, eine Krankheit zu haben, die selten ist. Über die noch nicht so viel bekannt ist. Die noch nicht gut erforscht ist. Die keiner kennt. Und in die sich keiner hineinversetzen kann.

Ich bin damit alleine.

Trotz allem Verständnis.

Wenn mein innerer Imposter sich wieder meldet, habe ich das Gefühl, nicht „krank genug” zu sein. Nicht genug zu tun, um mich besser zu fühlen. Ich mache mir selbst Vorwürfe. Auch ganz ohne die vielen ungefragten Ratschläge.

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