Wenn ich über meine Krankheit spreche, höre ich oft von Menschen: „Ich bin auch manchmal müde.”
Ja. Das kennen wir alle. Das ist normal. Aber es hat auch immer eine Ursache: zu wenig Schlaf, schlechter Schlaf, unruhiger Schlaf, Gedankenkarussell vor dem Einschlafen. Und so weiter.
All diese Fälle haben aber eine Gemeinsamkeit: Bei gesunden Menschen sind das nur einzelne Momente. Ein vorübergehender Zustand. Nach dem nächsten ordentlichen Schlaf ist die Müdigkeit weg. Und sie können wieder voller Energie in den Tag starten.
Bei mir ist das anders.
Egal, ob ich 6 oder 18 Stunden schlafe. Egal, wie ruhig ich schlafe. Egal, wie durchgängig ich schlafe.
Ich wache müde und erschöpft auf. Jeden einzelnen Tag.
Ich habe mich seit 2024 nicht mehr wach und ausgeschlafen gefühlt.
Und jeden Tag muss ich mit der Müdigkeit leben und dagegen ankämpfen.
Ohne Tabletten komme ich gar nicht durch den Tag. Mit Tabletten ist es an guten Tagen zumindest schwierig. Koffein hat kaum Wirkung.
Ich bin jeden Tag erschöpft. Ausgelaugt. Fühle mich erschlagen. Unausgeschlafen. Energielos.
Ich habe Probleme, mich zu konzentrieren.
Wir Menschen neigen dazu, uns gegenseitig zu vergleichen. Wir wollen dazugehören. Zeigen, dass wir Verständnis haben.
Ich bin mir sicher, dass Menschen solche Aussagen nicht böse meinen. Sondern damit ausdrücken wollen, dass sie verstehen, wie es sich anfühlt.
Aber das tun sie nicht.
Das können sie nicht.
Und das ist okay.
Ich wünsche niemandem, diese Art von Müdigkeit zu kennen, die ich jeden Tag spüre.
Es ist nicht nötig, dass Menschen versuchen, sich mit mir zu vergleichen oder sich in meine Situation hineinzuversetzen.
Es ist völlig ausreichend, wenn sie mir glauben. Mich ernst nehmen. Und meine Krankheit nicht versuchen herunterzuspielen oder zu relativieren.
Wenn abends mein Körper entscheidet, dass Feierabend ist, fühle ich mich, als würde jemand anderes die Kontrolle übernehmen.
Ich kann nicht mehr über meinen Körper entscheiden. Ich bin machtlos.
Auch wenn wir alle dasselbe Wort verwenden, wenn wir von Müdigkeit sprechen, meinen wir nicht dasselbe.
Für meine Art von Müdigkeit gibt es kein Wort, das im Alltag verwendet wird.
Vielleicht wird es irgendwann eines dafür geben.
Solange werde ich versuchen zu beschreiben, wie ich es erlebe. Auch wenn mir oft selbst die richtigen Worte dafür fehlen.

Ja, diesen Spruch kenne ich auch nur zu gut. Aber diese Müdigkeit zu beschreiben, dass stimmt ist nicht einfach und für einen Außenstehenden auch schwierig sich da hineinzuversetzen. LG Edeline
Ja, das ist sicher super schwierig. Aber es fühlt sich immer an als würden die Personen meine Zustand relativieren. Weil jede*r mal müde ist. Das ist sehr anstrengend.