#022 — Pause machen, ohne aufzugeben

Ich denke gerade darüber nach, eine Pause mit dem Blog zu machen.

Nicht, weil ich keine Lust mehr auf die Dornröschen Chroniken habe. Nicht, weil mir der Blog nicht mehr wichtig ist. Und auch nicht, weil ich nichts mehr zu sagen hätte.

Im Moment kostet mich das Schreiben nur sehr viel Energie.

Meine Bachelorarbeit nimmt gerade einen immer größeren Teil meiner verfügbaren Kraft ein. Ich muss Interviews führen, Transkripte bearbeiten, Literatur lesen, Gedanken sortieren und irgendwann aus all dem eine wissenschaftliche Arbeit machen.

Dazu kommt mein Alltag und all die Dinge, die unabhängig von meiner Energie erledigt werden müssen.

Und dann gibt es noch diesen Blog.

Eigentlich ist er kein Muss. Niemand verlangt von mir, regelmäßig einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Es gibt keinen Vertrag. Keinen Redaktionsplan. Und keine Person, die mir kündigt, wenn ich eine Woche auslasse.

Trotzdem fühlt es sich manchmal nach einer Verpflichtung an. Einer Verpflichtung mir selbst gegenüber.

Ich habe angefangen, regelmäßig zu veröffentlichen. Daraus ist eine Routine geworden. Und aus der Routine wurde irgendwann der Anspruch, diese Routine aufrechtzuerhalten.

Selbst dann, wenn ich keine Idee habe.
Selbst dann, wenn ich mich kaum konzentrieren kann.
Selbst dann, wenn ich meine Energie eigentlich für andere Dinge brauche.

Dabei war dieser Blog nie dafür gedacht, eine weitere Aufgabe auf meiner Liste zu werden.

Ich wollte hier über mein Leben mit idiopathischer Hypersomnie schreiben. Über Dinge, die im Alltag oft unsichtbar bleiben. Über Müdigkeit, Erschöpfung, Einschränkungen, Frust und Trauer. Aber auch über kleine Erfolge und neue Wege.

Ich wollte einen Ort schaffen, an dem ich meine Gedanken teilen kann.

Keinen Ort, an dem ich mich selbst unter Druck setze.

Trotzdem fällt mir der Gedanke an eine Pause schwer.

Eine Pause fühlt sich für mich schnell nach Aufgeben an. Als hätte ich etwas begonnen und würde es jetzt nicht konsequent durchziehen. Als würde der Blog langsam verschwinden, wenn mal einige Wochen lang nichts Neues erscheint.

Dabei weiß ich eigentlich, dass eine Pause nicht das Ende sein muss.

Weitermachen bedeutet nicht immer, dass alles unverändert weiterläuft. Manchmal bedeutet es, rechtzeitig einen Schritt zurückzugehen. Die eigenen Kräfte zu schützen, bevor gar nichts mehr geht.

Das fällt mir ganz allgemein oft schwer.

Ich bin es gewohnt, mich anzustrengen. Lösungen zu suchen. Abläufe anzupassen. Aufgaben zu priorisieren und abzuarbeiten. Pausen einzuplanen. Doch noch irgendwie einen Weg zu finden.

Das ist einerseits hilfreich. Ohne diese Fähigkeit würde ich vermutlich gar nichts mehr schaffen.

Andererseits führt es dazu, dass ich mich lange damit beschäftige, wie ich etwas trotzdem möglich machen kann. Anstatt mich zu fragen, ob es gerade wirklich möglich sein muss.

Nur weil etwas irgendwie möglich ist, heißt es nicht, dass es gerade sinnvoll ist.

Vielleicht ist es gar nicht notwendig, herauszufinden, wie ich meine Bachelorarbeit, meinen Alltag, meine Krankheit und den Blog unter einen Hut bekomme.

Vielleicht darf ich auch entscheiden, dass das gar nicht alles gleichzeitig passieren muss.

Noch bin ich unsicher, ob ich wirklich eine vollständige Blogpause einlegen möchte und werde.

Vielleicht veröffentliche ich weiterhin gelegentlich etwas. Vielleicht schreibe ich nur, wenn der Text sich quasi von selbst schreibt. Vielleicht wird es in den nächsten Wochen leichter, wenn die Interviews für die Bachelorarbeit abgeschlossen sind. Vielleicht wird es aber auch für einige Wochen ganz still hier.

Ich möchte versuchen, für mich selbst den Druck herauszunehmen.

Ganz ohne schlechtes Gewissen, wenn eine oder mehrere Wochen ohne neuen Beitrag vergehen.

Die Dornröschen Chroniken sind mir nicht weniger wichtig, nur weil ich mich vorübergehend um etwas anderes kümmern muss und will.

Die bisherigen Texte verschwinden nicht. Meine Erfahrungen verlieren nicht an Bedeutung. Und eine Pause löscht nicht aus, was ich bereits aufgebaut habe.

Vielleicht ist das gerade meine wichtigste Erkenntnis:

Ich darf eine Pause machen, ohne aufzugeben.

Ähnliche Beiträge

4 Kommentare

  1. Vielleicht müssen wir auch lernen das es nicht nur Schwarz / Weiß gibt.
    Das es nicht nur 0 und 100% gibt, bei dir in diesem Fall nicht nur die beiden Seiten:
    Blog wird regelmäßig bepostet mit ausformulierten wichtigen Themen und
    Blog macht eine Pause und bekommt aktuell gar keine neuen Themen mehr.

    Vielleicht fällt dir ja mal in der Woche ein Gedanke ein den du uns mitteilen magst ohne das er ausformuliert zu sein muss, ohne das du alle Wenns und Abers durchdenken musst.
    Einfach nur der Gedanke.
    Vielleicht fühlt sich das ja nicht als Aufgeben an. Als, ich poste gar nichts mehr.
    Sondern nach, ich habe grade andere wichtige Aufgaben. Wenn aber Gedanken da sind dürfen die auch da sein.

  2. Ich finde, dass überhaupt nicht schlimm auch mal eine Pause einzusetzen/zu haben. Denn außer der digitalen Welt, gibt es eben halt noch die Welt da draußen und andere wichtige Dinge. Ich denke, dass nimmt dir keiner übel. Ich hatte auch schon größere Pausen mal auf meinem Blog gehabt und das war auch gut und tat mir gut. Die Leser und Leserinnen sind trotzdem wieder zurück gekehrt nach der Pause. Ich wünsche dir viel Erfolg für Deine Bachelorarbeit! LG Edeline

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert