#018 — Blogparade: Ratschläge für die Tonne

Antonia Ludwig hat zur Blogparade „Ratschläge für die Tonne: Welcher gut gemeinte Tipp dir nicht geholfen hat und was stattdessen wirklich für dich funktioniert“ aufgerufen.

Bei Blogparaden schlägt ein*e Blogger*in ein Thema vor. Andere Blogger*innen, die etwas dazu schreiben möchten, können dieses Thema aufgreifen und einen eigenen Blogartikel dazu veröffentlichen.

Ziel von Blogparaden ist es, sich untereinander zu vernetzen. Leser*innen bekommen Links zu weiteren Blogs rund um das Thema der Parade und können so ganz einfach weiter in unterschiedliche Perspektiven eintauchen.

Warum ich mich entschieden habe, bei dieser Blogparade mitzumachen?

Weil ich schon einmal einen Blogbeitrag zu ungefragten Ratschlägen geschrieben habe.

Wir alle bekommen sie. Mehr oder weniger regelmäßig. Von Menschen, die helfen wollen.

Aber Ratschläge sind nur dann hilfreich, wenn sie auch angenommen werden können. Und wenn sie erwünscht sind.

Außerdem sind wir Menschen unterschiedlich. Nur weil für dich ein Ratschlag gut funktioniert, heißt das nicht, dass dieser Ratschlag auch bei allen anderen Menschen funktioniert. Auch dann nicht, wenn du es gut meinst.

Bei chronisch kranken Menschen ist das noch einmal ein ganz eigenes Thema.

Wir bekommen ständig Ratschläge. Von Nachbar*innen, Bekannten, anderen Patient*innen in der Reha oder fremden Menschen online.

Und in den meisten Fällen haben diese Menschen gar keine Ahnung von unserer Krankheit. Sie wissen nicht, wie sie sich anfühlt. Sie verstehen nicht, dass unsere Probleme chronisch sind. Und nicht damit zu vergleichen sind, dass sie selbst einmal im Jahr ein Wehwehchen haben.

In meinem Fall gehen Menschen häufig davon aus, dass ich zu wenig oder „falsch“ schlafe. Und dass mir selbstverständlich nur Sonne, Vitamine oder Bewegung fehlen.

Ihnen hilft es ja immerhin auch, mal ordentlich auszuschlafen, wenn sie so richtig übermüdet sind. Und ein Spaziergang in der Sonne ist doch für alle Menschen gut, oder?

Ich weiß, dass die meisten Menschen es gut meinen.

Aber mal ganz ehrlich?

Denkst du wirklich, dass ich es seit eineinhalb Jahren noch nicht mit Ausschlafen versucht habe?

Oder mit Spaziergängen in der Sonne?

Du darfst mir gerne Fragen zu meiner Krankheit stellen. Gerne versuche ich zu erklären, wie sich das alles für mich anfühlt. Welche Auswirkungen es auf meinen Alltag hat. Und was mir tatsächlich hilft.

Aber bitte hör auf, mir ungefragte Ratschläge an den Kopf zu werfen, nur weil sie dir helfen.

Damit du einen kleinen Einblick bekommst, hier ein Auszug der Ratschläge, die ich ungefragt bekommen habe:

  • „Am besten solltest du keinen Alkohol trinken.“ Ich trinke seit Jahren keinen Alkohol.
  • „Hast du schon einmal auf Koffein verzichtet?“
  • „Nimm einfach Melatonin.“ Been there, done that. Ich schlafe in wenigen Minuten ein. Melatonin bringt bei mir nichts.
  • „Du musst vor dem Schlafengehen ordentlich lüften.“
  • „Ganz sicher hast du Schlafapnoe. Du brauchst eine Maske, dann ist alles gut.“ Wurde mittlerweile dreimal getestet und ausgeschlossen.
  • „Schlaf doch einfach, wenn du müde bist.“ Okay. Ich werde dann einfach für immer schlafen.
  • „Wenn du morgens Probleme mit dem Aufstehen hast, dann mach einfach laute Musik an und steh direkt auf.“
  • „Ich würde ja mal googeln und Ärzt*innen aufsuchen.“

Diese Liste könnte ich fast endlos fortführen.

Bisher war noch nichts dabei, das ich nicht schon ausprobiert habe. Zumindest dann, wenn es nicht vollkommen absurd war.

Es gab allerdings einen Ratschlag, der mir tatsächlich geholfen hat.

Den habe ich aus einer Hypersomnie-Community auf Discord. Die Community ist auf Englisch, und der Großteil der Menschen dort kommt aus Amerika.

Dort bekam ich den Tipp, mich tagsüber hinzulegen, wenn meine Energie sehr niedrig ist.

Nicht zu schlafen.

Einfach liegen.

15 bis 30 Minuten.

Und ja, das hilft.

An manchen Tagen mehr. An anderen weniger.

Aber es hilft mir, zumindest ein bisschen besser durch die nächsten Stunden zu kommen.

Es ist kein Allheilmittel. Und ich bin danach auch nicht fit wie ein Turnschuh.

Aber manchmal reicht es, nicht komplett weiter abzustürzen.

Und genau das ist der Unterschied zwischen einem ungefragten Standardratschlag und einem hilfreichen Hinweis: Er kam von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen.

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4 Kommentare

  1. Hallo liebe Nina,
    ich kann Dich sehr gut verstehen. Zumindest, was das mit den Ratschlägen betrifft. Eine Freundin hat ME/CFS und zuerst dachte ich, es geht bei Dir auch darum. Denn sie kann sich auf ihre Energie auch nicht verlassen und leidet darunter, dass sie von den wenigsten verstanden wird. Nachdem sie inzwischen sagt, was sie hat, und es erklären kann, wird es besser. Es gibt inzwischen so viele neue Krankheiten oder Krankheiten, die noch nicht oder nur wenig erforscht sind. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen.

    Gruß,
    Marita

    1. Liebe Marita,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ja, Menschen verstehen es manchmal eher, wenn sie wissen was los ist. Aber auch dann manchmal nicht.
      Und bei mir kommt noch hinzu, dass die meisten Menschen noch nie von Hypersomnie gehört haben. Und erstmal davon ausgehen, dass ich doch einfach nur mal ausschlafen muss.

      Liebe Grüße

  2. Hallo Nina,

    Danke für das Teilen deiner Perspektive, das ist wirklich noch mal sehr bereichernd und macht wirklich eindrücklich deutlich, was ich im Kopf hatte, was ich teilen wollte, was für Konsequenzen Ratschläge manchmal haben können – seien sie auch noch so gut gemeint. Ich hoffe wirklich du findest noch mehr Tipps oder Strategien, die dir helfen können!
    LG Antonia

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